Digitalläden – das Apple-Store-Prinzip für den ländlichen Raum?

Der folgende Blogpost wurde zuerst als Gastbeitrag im Blog www.blog.wegweiser-kommune.de der Bertelsmann-Stiftung veröffentlicht.

Die Digitalisierung erobert in schnellem Tempo unser ganzes Leben. Bildung, Gesundheit, Pflege, Mobilität, Vernetzte Wohnungen oder mit der digitalen Verkehrsumgebung vernetzte Fahrräder. Immer mehr digitale Produkte oder Softwareanwendungen entstehen, bei denen die Werbung suggeriert, dass sie unser Leben einfacher und effizienter machen werden. Produkte wie Smartphones und digitale Uhren werden untereinander vernetzt, es werden Echtzeitdaten angeboten, die uns Auskunft über unseren Gesundheitszustand, die Qualität unseres Schlafes oder unserer gegenwärtigen Kalorienverbrauch anzeigen.

Orte zum Ausprobieren 

Doch wie beschafft sich der Bewohner einer ländlichen Region derartige Produkte? Wo probiert er sie aus? Wer gibt ihm Hilfestellung beim Einrichten und Benutzen? Meistens bleibt ihm nur der Weg in die Technikläden der großen Städte oder der Onlinehandel. Wenn versucht wird, diese Produkte im stationären Handel zu erwerben, erlebt man, dass beispielsweise in sog. Sanitärfachgeschäften einfache technische Fragen kaum beantwortet werden können, weil das Personal dafür nicht geschult ist. Bleibt also nur der Online Handel. Hier scrollt sich der potenzielle Käufer durch zahlreiche Webseiten, vergleicht Preise in verschiedenen Portalen und bestellt das Produkt schließlich im Internet. Meistens wird es dann durch die großen Lieferdienste wie DHL oder DPD ausgeliefert. Hat man Glück, ist man zuhause, wenn es geliefert wird oder die Nachbarin hat es angenommen. Dann beginnt das Unboxing. Voller Erwartung wird das neue digitale Produkt ausgepackt und in Betrieb genommen. Nach wenigen Stunden oder Tagen stellt sich heraus, dass es doch nicht so ganz den Erwartungen entspricht, die Qualität ungenügend oder das Produkt für den eigentlichen Zweck eher unbrauchbar ist. Also wird es wieder eingepackt und an den Hersteller zurückgesandt.

Trainingskurse

Gäbe es auch Alternativen? Der Technologiekonzern Apple hat seit Jahren erkannt, das die Hemmschwelle beim Kauf von Technologie so niedrig wie möglich sein muss. Deshalb hat er in großen Städten die Apple-Stores eröffnet. Die Kunden sollen Produkte ansehen und ausprobieren können. Sie sollen ein Gefühl für das Produkt entwickeln und die verschiedenen Produktvarianten vergleichen können. Und wenn Technik nicht funktioniert, gibt es in den Apple Stores die Genius-Bar. Dort werden technische Störungen beseitigt oder dem Nutzer erklärt, wie er bestimmte Einstellungen vornehmen muss, an denen er vorher immer gescheitert war. Zusätzlich bieten diese Apple Stores auch Fortbildung und Trainingskurse an, damit die Freude mit dem neuen Produkt gleich aufkommen und der Freizeitspaß erhöht oder die Produktivität verbessert werden kann.

Dörflicher Digitalladen 

Könnte dieses Prinzip nicht auch auf auf Standorte im ländlichen Raum übertragen werden? Dazu müßte ein Digitalladen eröffnet werden, in dem wesentliche digitale Produkte aus den Bereichen Gesundheit, Pflege, Mobilität, Bildung, öffentliche Sicherheit o.ä. angeboten werden. Hier würde die Kundschaft diese Geräte oder die Software ansehen, ausprobieren und testen können. Geschulte Verkäuferinnen und Verkäufer stünden zur Seite, um die digitalen Einsteigerinnen und Einsteiger zu beraten und ihnen bei der Produktauswahl zu helfen. Und wenn Geräte nicht mehr funktionieren, wird dem Fehler auf den Grund gegangen und  sie werden wenn möglichst an Ort und Stelle repariert.

Aus Neugierde Kompetenz machen 

Ein so spezialisierter Digitalladen könnte helfen, die Angst vor dem Fehlkauf bei digitalen Produkten zu nehmen. Er würde dazu führen, dass digitale Lösungen in Form von Produkten oder Software auch im ländlichen Raum häufiger genutzt werden, weil sie schneller verfügbar sind. Darüber hinaus könnten Digitalläden auch der erste Schritt zu einer professionellen Assistenzinfrastruktur sein, wenn es um die Benutzung von Internetanwendungen und digitalen Produkten geht. Es ist kein Naturgesetz, dass nur ca. 70 Prozent der Menschen in Deutschland internetaffin sind. Viele stehen noch draußen vor der Tür. Gäbe es Digitalläden, würden sie das Geschäft auch betreten – sei es aus Neugier und weil sie erkannt haben, dass das Potenzial des Internet für die Verbesserung ihrer Lebensqualität sehr hoch ist.

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