Bas Boorsma: A New Digital Deal (Buchrezension)

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Digitalisierung ist wesentlich mehr als nur die elektronische Aktenführung und das digitale Dokumentenmanagement. Sie ist inzwischen ein Strukturprinzip für Wirtschaft, Staat und Gesellschaft geworden.
Dies haben auch Politik und Verwaltung erkannt. Dennoch erzeugt Digitalisierung bei vielen auch Ängste und Unsicherheiten, weil sie sich eher als deren Opfer sehen. Sie können nicht verstehen, dass Digitalisierung kein hinzunehmbares Schicksal sondern eine politische Gestaltungsaufgabe ist.
Das ist die Kernaussage des bemerkenswerten Buches von Bas Boorsma „A new Digital Deal. Beyond Smart Cities. How to best leverage Digitalization for the benefit of our Communities.“. Boorsma fordert Politik, Verwaltung, Unternehmen und die Zivilgesellschaft auf, einen „New Digital Deal“ zu schließen, weil die Herausforderungen der Digitalisierung und die damit verbundenen Chancen nur gemeinsam in einem offenen Dialog und koordiniertem Handeln genutzt werden können.
Bas Boorsma war einige Jahre mein Kollege bei der Strategiegruppe „Internet Business Solutions Group (IBSG)“ beim Technologiekonzern Cisco. Er war massgeblich an Programmen wie „Connected Urban Development“ beteiligt, wo Cisco mit Städten wie Amsterdam, Seoul und San Francisco Strategien zur Bekämpfung des CO2 Ausstosses mit Hilfe von vernetzter Informations- und Kommunkationstechnologie erarbeitete. Daraus entstand dann im Kontext der Smart City Entwicklung das Programm „Smart und Connected Cities and Communities“, in dem weltweit zahlreiche Städte und Regionen in der Zusammenarbeit mit Cisco Lösungen für mehr Urbanität, Lebens-, Arbeits- und Aufenthaltsqualität entwickelten. Heute arbeitet er bei Cisco als Direktor im Bereich Internet der Dinge und City Digitilization.
Dennoch ist das Buch von Bas Boorsma kein Buch, in dem technologische Entwicklungen im Mittelpunkt stehen. Technologie muss in den Städten und Regionen immer dem Ziel dienen, das Leben der Menschen und das Erwirtschaften von Ein- und Auskommen zu ermöglichen.
Boorsma zeigt zunächst die Megatrends bei der technologischen und darauf fußenden ökonomischen Entwicklung auf (besonders Internet of Things und Plattformökonomie) und kommt dann auf verschiedene Phasen der Smart City Entwicklung zu sprechen, die er durchaus selbstkritisch reflektiert und kommentiert. Diese Einschätzung nimmt er für die wichtigsten Handlungsfelder der Smart City Strategieentwicklung vor. Themen sind u.a. Gesundheit, neues Arbeiten, Transformation der öffentlichen Verwaltung oder die Energie- und Umweltwende. Wer sich über neue Trends und Entwicklungen in diesen Handlungsfeldern informieren möchte, wird hier schnell fündig.
Den Hauptteil des Buches stellt die Vorstellung von nicht weniger als 20 Bausteinen (Building blocks) dar, die grundlegend für die Digitalisierung, von Städten, Regionen und auch Nationen sind. Dazu gehören u.a. Klassiker wie Vision, Führung und Governance aber auch neue Bausteine wie Big Data Analytics und Künstliche Intelligenz oder Cybersicherheit und Widerstandsfähigkeit (Digital Resilience). Boorsma ordnet diese Bausteine in vier Gruppen: Grundlagen (foundational), Technologie, Organisation und Orchestrierung sowie Werte (values).
Das Buch runden Kurz-Interviews mit 25 Innovatoren des Public Sector, die aus Städten oder Regionen, der Zivilgesellschaft oder aus der Wirtschaft kommen, ab.
Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch, das sicherlich in einer Reihe mit dem 2013 veröffentlichten Buch von Anthony Townsend „Smart Cities: Big Data, Civic Hackers and the Quest for a new Utopia“ stehen wird.
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