Smarte Baustelleninformationen – Hol- anstatt Bringschuld?

IMG_1361 2In Berlin und in vielen deutschen Städten und Gemeinden werden ständig Straßen aufgerissen, Schienen neu verlegt, Abwässerkanäle erneuert und (hoffentlich viel) Glasfaser bereitgestellt. All dies erneuert die Stadt, schafft aber auch neue Herausforderungen und Beschwernisse während der Baumaßnahmen.

Wie werden eigentlich die betroffenen Bürgerinnen und Bürger informiert? Und wer zählt zu den „Betroffenen“? Ist die Information digital vorhanden? Erfolgt sie, in dem sie abgerufen werden muß oder wird die Information gepusht? Schließlich: Wie werden diese Baustelleninfos eigentlich präsentiert?

Da ich mich über eine Baustelle wunderte, die plötzlich da war und meine Joggingstrecke im Mauerpark betraf, bin ich mal auf die Suche nach INFORMATIONEN gegangen. Tatsächlich wurden die unmittelbar betroffenen Anwohner durch einen PapierAushang an ihrer Haustür durch die Berliner Wasserbetriebe informiert. Diese werden nämlich in zweijähriger Bauzeit einen Stauwasserkanal unter dem Mauerpark errichten. Zwei Jahre  wird der beliebte und belebte Mauerpark also eine große Baustelle sein.

So sieht der Papieraushang aus, der an die Haustüren der unmittelbar angrenzenden Bernauer/Eberswalder Str. mit Tesafilm befestigt wurde.

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Wie gesagt: Informiert wurden nur die unmittelbaren Anlieger. Doch Bürgerinnen und Bürger, die wie ich ca. 100 Meter weiter weg wohnen, wurden gar nicht informiert bzw. sind vielleicht nur zufällig auf diesen Zettel gestoßen.

Schauen wir uns also an, wie das Berliner Bezirksamt Pankow seine Bürgerinnen und Bürger über die immerhin zweijährige Baustelle Informiert.

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Abgesehen davon, dass die Formulierung „einigen Einschränkungen“ auf mich eher verniedlicht wirkt, denkt das Bezirksamt, dass die Anwohnerinformation, auf die es hier verweist (der Papierzettel der BWB), wohl eher eine Hol-Schuld ist. Wenn die Bürgerinnen und Bürger sich über die aktuellen Baumassnahmen im Bezirk informieren wollen, sollen sie gefälligt auf die Webseite des Bezirks gehen und sich diese Informationen holen.

Doch ist das smart und zukunftsfähig? Hat nicht auch der Berliner Senat beschlossen, dass Daten frei und leicht zugänglich sein sollten?

Was hindert den Bezirk eigentlich daran, Baustelleninformationen so aufzubereiten, dass sie einen auf Blick erkennbar sind? Dazu würde  lediglich eine digitale Straßenkarte benötigt. Auf dieser würden sämtliche Baumaßnahmen öffentlicher Akteure verzeichnet. Wer, was, warum, wie lange, welche Alternativen? – diese Infos würden schon ausreichen. So könnten die Betroffenen auf einen Blick sehen, wie die Stadt ihre Infrastruktur erneuert und welche Beeinträchtigungen sich daraus für welchen Zeitraum ergeben. Und in einem zweiten Schritt könnte die ständige Erneuerung selbst erfolgen, weil Informationsprozesse mit Echtzeit-Daten pflegeleicht sind.

Natürlich müßte ich mir trotzdem noch eine neue Joggingstrecke suchen. Aber ich würde das in dem Bewußtsein tun, als Bürger ernst genommen zu werden. Smarte Daten sind keine Hol- sondern eine Bringschuld in einer Stadt, die Smart City werden will.

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