5 Gründe, warum Städte mit IT-Konzernen kooperieren sollten

 

Der US-amerikanische IT-Konzern Cisco gab kürzlich bekannt, dass er ein „Memorandum of  Understanding (MoU)“ mit der Stadt Berlin für die Transformation hin zu einer Smart City unterzeichnet habe. Bereits Monate zuvor gab es ein ähnliches Agreement mit der Stadt Hamburg. Der chinesische IT-Gigant Huawei verkündete auf der CeBIT 2016 eine enge Kooperation mit der Stadt Gelsenkirchen und die deutschen IT-Aushängeschilder Siemens und SAP sind in Erlangen bzw. Heidelberg in Sachen Smart City unterwegs.

Aus einigen Stadtverwaltungen und vor allem beim Deutschen Städtetag  wird allerdings Skepsis gegenüber einer zu engen Zusammenarbeit mit (IT-)Unternehmen geäußert.

Dabei gibt es fünf überzeugende Gründe dafür, dass Städte bei der Transformation hin zu einer Smart City mit IT-Unternehmen zusammenarbeiten:

  1. Schnelligkeit der Technologie und erforderlicher Know-how Transfer

Die Digitalisierung von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft entwickelt sich in einem atemberaubenden Tempo. Sie hat seit zwei Jahren richtig Fahrt aufgenommen. Insbesondere die steigenden Anforderungen für IT-Sicherheit im Internet der Dinge erhöhen die Komplexität. Diese Entwicklung wird maßgeblich von Unternehmen geprägt, die im Bereich der vernetzten Informations- und Kommunikationstechnologie oder dem Cloud Computing tätig sind. Dazu gehören beispielsweise Cisco, IBM, Huawei, Siemens oder SAP. Den Verantwortlichen in den Stadtverwaltungen fehlt die Zeit und das nötige Know-how, um diese schnelllebige Technologieentwicklung verfolgen und beurteilen zu können. Da aber die Entwicklung von Smart City Technologieplattformen oder -produkten zum Portfolio dieser IT-Konzerne gehört, können die Städte frühzeitig von dieser neuen Entwicklung erfahren, sich mit ihnen auseinandersetzen und davon profitieren. Selbstverständlich geht es dabei nicht darum, die Stadt an den IT-Konzern zu „verhökern“ und damit die städtische Gestaltung aus der Hand zu geben. Dies kann Bürgermeistern wie Olaf Scholz oder Michael Müller sicherlich auch nicht unterstellt werden.

  1. Erhebliche Investments seitens der IT-Konzerne

Die IT-Konzerne haben erkannt, dass es nicht reicht, den Städten einfach neue Produkte zu verkaufen. Sie selbst hätten ja nichts davon, wenn die Städte nicht in der Lage wären, diese so einzusetzen, dass sie Lösungen für städtische Probleme darstellen. Erst wenn diese Produkte erfolgreich für die städtische Weiterentwicklung eingesetzt werden, dienen sie als „Lighthouse-Projekte“, die dann auch in anderen Städten verkauft werden können. Deshalb verstehen die Konzerne inzwischen ihr Investment als Beginn einer strategischen Public-Private-Partnership. Cisco beispielsweise hat angekündigt, insgesamt 500 Millionen Euro innerhalb der nächsten drei Jahre in Projekte zu investieren, die die Digitalisierung in Deutschland voranbringen sollen. Und ein Teil dieser Summe fließt in Smart City Projekte.

Selbst wenn die IT-Konzerne sich finanziell nicht an derartigen Projekten beteiligen würden, investieren sie doch häufig eigene personelle Ressourcen zum Know-How Transfer, von denen auch Städte profitieren können.

  1. Städte sind Teil eines Netzwerks

Gerade große IT-Unternehmen bringen ihre strategischen Partner oft zusammen, um gemeinsam Know-how Transfer und Erfahrungsaustausch zu betreiben. Cisco hatte beispielsweise im Public Sector jahrelang mit dem „Public Sector Summit“ eine internationale Konferenz im Rahmen der Nobel-Feierlichkeiten in Stockholm und Oslo durchgeführt. Hier trafen sich 4 Tage lang Public Sector Verantwortliche aus allen Teilen der Welt.

In diesen Veranstaltungen geht es häufig nicht um Produkte, sondern um gesellschaftliche und wirtschaftliche Trends, die die Städte bei ihrer Gestaltung beachten sollten. Oft sind diese Networking-Events auch mit hochkarätigen Referenten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft besetzt, die ansonsten nicht in das städtische Erfahrungsspektrum reichen würden.  Darüber hinaus legen die innovativsten IT-Unternehmen auch Wert darauf, dass sich die Kunden untereinander stärker vernetzten, wobei den Unternehmen dann die Orchestrierungsrolle zukommt.

  1. Projekte werden professioneller gemanagt 

Sicherlich kann den Städten oder den städtischen IT-Unternehmen nicht unterstellt werden, dass sie in Bezug auf professionelles Projektmanagement Amateure sind. Aber aus zahlreichen Studien wissen wir, dass Projekte im öffentlichen Bereich vor allem am semi-professionellen Projektmanagement scheitern. Oftmals fehlt es an dem nötigen operativen Know-how, an der organisatorischen Aufstellung oder an der erforderlichen Unterstützung durch die Stadtspitze.

Wenn Städte systematisch mit IT-Unternehmen in enger Partnerschaft zusammenarbeiten, merken sie schnell, dass die IT-Unternehmen in Bezug auf systematische Entscheidungen, professionellem Projektmanagement und Reporting anders ticken. Grund dafür ist die Abhängig von ihrer Börsennotierung. Während der Druck auf Verwaltung und Politik vor allem von Wahlterminen oder von Sitzungsperioden des Rates abhängt, sind die Public Sector Verantwortlichen in den IT-Unternehmen meistens zu wöchentlichem Reporting und Forecast verpflichtet. Ein Quartal umfasst in der Regel 12 Wochen und die Aktieninhaber sind ungehalten, wenn während des Quartals der Umsatz nicht nennenswert steigt, stagniert oder gar schrumpft.

Deswegen erhöhen IT-Unternehmen bei der Zusammenarbeit mit den Städten oft die Geschwindigkeit und drängen auf Entscheidungen bei Projekten, die ansonsten eher gemächlich angegangen würden, weil noch ganz viele andere Projekte auf der Tagesordnung des Rates stehen, die selbstverständlich auch alle gleiche Priorität genießen.

  1. Smart City – Teil der Standortqualität

Wenn man die Ausstellungshallen der „Smart City Expo and World Conference“ in Barcelona betritt, denkt man, man ist auf der Internationalen Tourismus Ausstellung in Berlin. Die Städte haben erkannt, dass aktives Smart City Marketing Teil der international ausgerichteten städtischen Wirtschaftsförderung ist.

Das gute Image, dass sich Städte wie Barcelona, Kopenhagen oder Amsterdam international als innovativer Wirtschaftsstandort erarbeitet haben, hängt auch von ihrer strategischen Zusammenarbeit mit IT-Unternehmen ab. So entsteht Win-Win: Die Städte bekommen Know-how und verändern sich durch spannende Projekte und die CEOs der Konzerne loben dann den attraktiven Wirtschaftsstandort, der dann eine Sogwirkung vor allem auf innovative Unternehmen entfaltet, sich dort niederzulassen oder zu investieren.

Gerade für Start-Ups ist entscheidend, welche harten und weichen Infrastrukturkomponenten sie in den Städten vorfinden, welches Innovationsklima dort vorherrscht und welche Einstellungen die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung gegenüber innovative Unternehmen an den Tag legen.

Fazit: Die politisch und administrativ Verantwortlichen in den Städten sollten ihre Terminkalender öffnen, wenn IT-Unternehmen um ein Gespräch bitten. Die Vorteile liegen für beide Seiten auf der Hand.

 

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Smart City Talk_7_Digitales Singapur

Die neueste Ausgabe des Podcast „Smart City Talk“ ist online. Diesmal geht es um Singapur. Zum Jahresanfang war ich dort und sammelte Erkenntnisse und Eindrücke rund um das Thema „Digitales Singapur“.

Konkret sollen drei Fragen beantwortet werden:

1. Wie schafft es Singapur, trotz erheblichem Bevölkerungswachstum den Verkehr einigermassen flüssig zu halten?
2. Wie bezieht Singapur die Stadtgesellschaft bei der Entwicklung einer Vision ein? Die Ausstellung „The Future of us“ gibt hier Antworten.
3. Welche weitergehenden Pläne zur Digitalisierung der Stadt enthält der Plan „Smart Nation?

Links zum Podcast:

Libsyn.com:

http://smartcitytalk.libsyn.com/smart-city-talk_7_digitales-singapur

oder bei Soundcloud:

Smart City Talk 3: Eindrücke von der SCEWC 2015 Barcelona

Im November 2015 war ich in Barcelona auf der Smart City Expo World Conference. Es ist die weltweit größte Smart City Veranstaltung.

Im dritten Podcast werden einige Trends vorgestellt, die die SCEWC 2015 prägten. Außerdem wird der Frage nachgegangen, ob es nicht an der Zeit ist, Smart City etwas zu erden.

Link: http://smartcitytalk.libsyn.com/smart-city-talk-_sct3-eindrcke-von-der-scewc-2015

In iTunes geht es über folgenden Weg: In der Menuleiste “Ablage” “”Podcast abonnieren” und dann http://smartcitytalk.libsyn.com/rss ein geben. (gilt für Safari)

Erfolgsrezept Smarte Arbeitsplätze + Kinderbetreuung

Gibt es eine soziale Infrastruktur, die als eierlegende Wollmilchsau die Erfordernisse der CO2-Reduktion, die Bekämpfung des Facharbeitermangels und die soziale Integration von Alleinerziehenden in den Arbeitsmarkt unter einen Hut bringt?

Smart Work Center haben das Potenzial dazu. Erfunden wurden sie in den Niederlanden und traten dann ihren Siegeszug in anderen Ländern wie Korea oder Frankreich an. Diese Center wurden an den Stadträndern eingerichtet, die dennoch gut mit dem ÖPNV zu erreichen sind. Auf diese Weise ersparen sie Autoverkehr und tragen mithin zur CO2 Reduktion bei. Die Nutzerinnen und Nutzer dieser Smart Work Center finden hier die neueste technologische Infrastruktur wie Hochgeschwindigkeitsbreitband oder HD-Videokonferenzräume vor. Gerade Außendienstmitarbeiter, Freiberufler, Start up Gründer und Alleinerziehende können hier bequem temporäre Arbeitsplätze buchen.

Diese Smart Work Center tragen aber auch dazu bei, die Integration von Alleinerziehenden in den Arbeitsprozess zu erleichtern. Die meisten Smart Working Center bieten nämlich auch Kinderbetreuung und andere soziale Dienstleistungen an.

In Deutschland gibt es seit kurzem eine abgespeckte Version dieser Smart Work Center. Sie heißen hier in der Regel CO-Working-Spaces. Ca. 230 soll es hier in Deutschland geben. Und da wir hier Meister im Kopieren erfolgreicher Internetideen sind, ist auch ein Start Up gegründet worden, das von dieser niederländischen Idee profitiert. Coworking-Toddler heißt das junge Unternehmen, das Arbeitsplätze zum Anmieten mit Kinderbetreuung zur Verfügung stellt.

Für die kreative Klasse von Beratern, Designern, Werbemenschen etc. und für die größer werdende Gruppe von Freiberuflern sind hiermit wichtige Bedingungen für kreatives und kollaboratives Arbeiten geschaffen worden. Was fehlt? Schaut man sich in den Co-Working Spaces in Deutschland um, dann ist es meistens die technologische Innovationskomponente.

Außerdem vermisst man Transparenz. Wo sind die nächsten Co-Working-Spaces? Welche Ausstattung haben sie? Wie können sie gebucht werden? Alles Fragen, die in London auf einen Klick beantwortet werden können. Die Website CO-Working London lässt keine Transparenzwünsche offen.

Co-Working-Spaces – gekoppelt mit technologischer Spitzeninfrastruktur und Kinderbetreuung – werden eine wesentliche soziale Infrastruktur für die smarte Stadt oder die smarte Region sein. Dann kommen die Kreativen auch wieder aufs Land – nicht nur am Wochenende zum Erholen.

Spanien: Mit 150 MBit/Sek am Strand – wo bleibt Deutschland?

In der letzten Woche brach in Berlin-Charlottenburg der Notstand aus. Plötzlich waren 160.000 Menschen für mehrere Stunden oder einen Tag ohne Breitband-Internetanschluss. Kriminelle waren in den Kabelschacht eingedrungen und schnitten die Kabel  durch. Plötzlich konnten keine e-Mails mehr gesendet oder empfangen , keine Musikstücke heruntergeladen oder gestreamt, keine VoIP Anrufen mehr geführt werden. Das Internet war einfach (physischkaputt.

Die darüber entstandene Aufregung dokumentiert eindrucksvoll, was der heutige Kanzleramtsminister Peter Altmaier bereits vor einigen Jahren feststellte :

„Der Anschluss ans Internet ist heutzutage wesentlich wichtiger als der Anschluß ans Strom-, Telefon- oder Fernsehnetz, von größerer Bedeutung als PKW, öffentlicher Nahverkehr oder Waschmaschine. Aus meiner Sicht hat er eine Bedeutung, die derjenigen des Zugangs zu Wasser und Grundnahrungsmitteln sehr nahekommt“.

Allmählich reift auch  in der Politik die Erkenntnis, dass das Internet die soziale Infrastruktur des 21. Jahrhunderts ist.

Leider folgt aus dieser Erkenntnis noch keine adäquate Handlung. In der digitalen Agenda, die das Bundeskabinett für Deutschland nächste Woche beschließen will, Ist das Ziel wenig herausfordernd formuliert. Bis 2018 soll die Bevölkerung mit mehr als 50 Mbit/Sek im Internet unterwegs sein. Hätte man sich dieses Ziel vor zehn Jahren gegeben, so wäre es ambitioniert gewesen. Zahlreiche europäische Nachbarn haben sich mittlerweile auf dem Weg in die Gigabit-Republik gegeben. Deutschland ist hier nicht einmal mehr Mittelmaß und verschläft die Entwicklung. Insofern bietet die digitale Agenda wenig Hoffnung.

Noch viel weniger Hoffnung besteht bei der Nutzung von freiem WLAN. Zwar wird man wohl die Störerhaftung für Gewerbebetriebe endlich beseitigen, private Haushalte, die den Interneanschluss teilen, werden jedoch weiterhin zur Verantwortung gezogen.

Ebenso vergeblich sucht man Aussagen zu freiem WLAN in Schulen, Behörden, Jugendbildungsstätten, Altenheimen etc.. Erst wenn hier der Zugang für alle möglich ist, wird Deutschland das „Neuland“ Internet erfolgreich entdeckt haben..

Erneut zeigen hier unsere europäischen Nachbarn, dass das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht ist. Der schnelle  Internetanschluss ist allgegenwärtig. In der spanischen FerienstadBenidorm wird es künftig möglich sein, am Strand zu liegen und im Internet mit bis zu 150 MBit/Sek zu surfen, weil an Laternen, Haltestellen etc. „smart cells“ angebracht sind. Also auch der Strand muss keine Internetfreie Zone seinen.visitbenidorm.es

10 Gebote für eine smarte Stadtstrategie

Die Zeitschrift „Urban 2.0-Nachhaltige Städte & Infrastruktur“ hat mich gebeten, „Zehn Gebote für eine smarte Stadt“ zu formulieren. Sie beziehen sich vor allem auf die Strategieentwicklung:

1. Ganzheitliche Visison entwickeln
2. Technologische Megatrends aufnehmen
3. Superschnelles Breitband forcieren
4. Mehrere Handlungsfelder adressieren
5. Umfassende Beteiligung der Interessensträger organisieren
6. Größtmögliche Transparenz herstellen
7. Digitale Spaltung bekämpfen
8. Bürger als Sensoren ansehen
9. Kritik ernst nehmen
10. Anpassungen nicht scheuen.

Detailliertere Ausführungen zu diesen Handlungsempfehlungen enthält das Buch „Die smarte Stadt„.