Smart City aus Sicht des Deutschen Städte- und Gemeindebundes

Die 5. Folge des Smart City Talk Podcast ist online. In dieser Podcastfolge unterhalte ich mich mit Dr. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Themen sind u.a. die Breitbandsituation in Deutschland, die Möglichkeit der Stadtwerke, in Breitband zu investieren und seine Prognose für die Smart City Entwicklung in Städten und ländlichen Regionen. Außerdem wird das Unterstützungsangebot des DStGB für die Entwicklung von smarten Städten vorgestellt.

Link zu Soundcloud: https://soundcloud.com/willi-kaczorowski/smart-city-talk-5-dr-landsberg-dstgb-final-041215-1448

Link zu Libsyn: http://smartcitytalk.libsyn.com/smart-city-talk_5_interview…

In iTunes geht es über folgenden Weg: In der Menuleiste “Ablage” “”Podcast abonnieren” und dann http://smartcitytalk.libsyn.com/rss ein geben. (gilt für Safari)

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Wie „smart“ sind Smart City Homepages?

Smarte Städte sind auch Bündelungs- und Integrationsprojekte. Sie entwickeln eine Vision für die Stadt der Zukunft, erarbeiten Strategien um diese umzusetzen und entwickeln dazu Programme oder Projekte. Unter dem Governance Gesichtspunkt heben sie die traditionellen Verwaltungssilos auf. Zur guten Governance eines Projektes gehört es, dass die Grundsätze von Transparenz und Offenheit selbst angewandt werden und die Smart City Strategie leicht aufzufinden und verstehbar ist.

Grundlage dafür ist (immer noch) eine informative, aktuelle und Interaktive Website, die jederzeit Auskunft über Vision, Strategie und Projekte sowie den Stand ihrer Realisierung gibt. Außerdem sollte die Website auch Gelegenheit zur Interaktion zwischen Stadtgesellschaft, Wirtschaft sowie Politik und Verwaltung geben.

Wie steht es also um die Smart City Homepages in Deutschland und bei den europäischen Smart City Champions?

Dies ist kein wissenschaftliches Ranking. Es geht auch nicht darum, Städte an den Pranger zu stellen. Aber sicherlich zeugt es davon, dass die Smart City Vision ernst genommen und gelebt wird, wenn die Smart City Homepage regelmäßig gepflegt wird. Schließlich soll sie das „Aushängeschild“ sein.

Und hier beginnt in Deutschland das Dilemma. Von den durch einfache Google Suche gefundenen großen ambitionierten Smart City Städten hat eigentlich nur Köln eine Smart City Website, die man als „smart“ bezeichnen kann. Da werden nicht nur die Projekte und ihre Partner eingehend vorgestellt sondern auch auf Diskussionsveranstaltungen hingewiesen, zu denen der Oberbürgermeister die Stadtgesellschaft einlädt. Ingesamt entsteht so der Eindruck, dass die Smart City Cologne dynamisch weiterentwickelt wird.

In Berlin wurde die Smart City Entwicklung praktischerweise an Berlin Partner, eine Einrichtung der Berliner Wirtschaftsförderung und der Berliner Wirtschaft delegiert. Damit wurden aber auch zahlreiche Probleme in der Realisierungsfähigkeit zwischen den Senatsverwaltungen/Bezirken und den Berliner Unternehmen hervorgerufen. Ein Blick auf die Website Berlins gibt einen Eindruck, warum es in Berlin bei Smart City nicht so recht vorangeht. Präsentiert wird hauptsächlich die Smart City Konzeption als Projekt der Berliner Wirtschaft und ihres Ecosystems wie Universitäten und Forschungsinstitute. Das die smarte Stadt aber hauptsächlich ein Visionsprojekt für die Stadtentwicklung von morgen ist, wird keineswegs deutlich.

Hamburg hat mit Bürgermeister Olaf Scholz eine hervorragende Vision entwickelt, die strategisch vor allem im Hamburger Hafengebiet umgesetzt wird. Leider zeichnet sich auch die Hamburger Website dadurch aus, dass sie nicht aktuell ist sondern auf dem Stand Sommer 2014 stehen blieb. Dabei war es doch der Hamburger Senat, der mit der digitalen Stadt in der letzten Sitzung der Hamburger Bürgerschaft eine Vision für die Stadt der Zukunft vorlegte. Auf der der Smart City Website ist davon nichts zu lesen.

München, das sich vor kurzem um Smart City EU-Fördergelder beworben hat, hat auf seiner Smart City Website nur eine längere Abhandlung über eine internationaler Studie, an der die Stadt beteiligt ist. Was die Stadt mit wem und wo vor hat, bleibt einstweilen für die interessierte Öffentlichkeit ein Geheimnis.

Bei den europäischen Champions sieht das Bild besser aus. Wien, Amsterdam und Barcelona sind die Städte, deren Smart City Websites eher portalähnlichen Charakter haben.

In Wien wird besonders die stadtentwicklungs- und klimapolitische Bedeutung einer smarten Stadt hervorgehoben. Sämtliche Projekte werden ausführlich vorgestellt und ihre Lage kartographisch erfasst. Die Stadt arbeitet mit allen multimedialen Werkzeugen. Ausführlich wird von Veranstaltungen mit der Stadtgesellschaft berichtet und so bekommt man Lust, sich aktiv zu beteiligen.

Die partizipatorische Komponente zeichnet auch Amsterdam aus. Mit großer Selbstverständlichkeit werden neben der Vorstellung der Vision, der Strategie und den Projekten auch Hinweise gegeben, wie sich die Amsterdamer Stadtgesellschaft beteiligen kann. Dabei wird Wert darauf gelegt, was der Einzelne tun kann, um zum Ziel einer Smart City beizutragen. Im Unterschied zu Städten wie Wien oder London zeigt Amsterdam die volle Breite der Handlungsfelder einer Smart City auf.

Die Smart City Homepage von Barcelona stellt vor allem die Technologie in den Vordergrund, die helfen soll, die Lebens- und Aufenthaltsqualität in allen Handlungsberochen in der Stadt und in der Region zu erhöhen. Dabei wird auch nicht die besondere Stellung Barcelonas im weltweiten Smart City Kontext vergessen, die eindrucksvoll mit Zahlen unterlegt wird.    – http://smartcity.bcn.cat/en

Einen Besuch wert, weil wesentlich transparenter, informativer und aktueller als die Homepages von Berlin oder Hamburg, sind auch die Smart City Homepages von London, Kopenhagen, Stockholm oder Helsinki.

10 Gebote für eine smarte Stadtstrategie

Die Zeitschrift „Urban 2.0-Nachhaltige Städte & Infrastruktur“ hat mich gebeten, „Zehn Gebote für eine smarte Stadt“ zu formulieren. Sie beziehen sich vor allem auf die Strategieentwicklung:

1. Ganzheitliche Visison entwickeln
2. Technologische Megatrends aufnehmen
3. Superschnelles Breitband forcieren
4. Mehrere Handlungsfelder adressieren
5. Umfassende Beteiligung der Interessensträger organisieren
6. Größtmögliche Transparenz herstellen
7. Digitale Spaltung bekämpfen
8. Bürger als Sensoren ansehen
9. Kritik ernst nehmen
10. Anpassungen nicht scheuen.

Detailliertere Ausführungen zu diesen Handlungsempfehlungen enthält das Buch „Die smarte Stadt„.

⅔ der Österreicher wollen in smarten Städten leben

Smarte Städte stoßen auch bei den Bürgerinnen und Bürgern auf Akzeptanz. Nach einer Befragung von Österreichs größter Immobilienplattform Immonet wollen 64 % der Österreicher künftig in smarten Städten leben. Dabei stehen bei ihnen besonders moderne Stadtplanungskonzepte, smarte Mobilitätslösungen, energieeffiziente und klimaschonende Gebäudetechnologien sowie erneuerbare Energien im Vordergrund. Und 72 % sehen schnelles Breitband als absolutes Muss einer modernen Infrastruktur an.Bild

Mahr Informationen dazu: http://www.immobilien.net/presse/zwei-drittel-der-oesterreicher-wollen-smart-cities/

Portugal: Eine smarte Stadt für mehr als 200.000 Einwohner

Smart City Konzepte enstanden hauptsächlich für die schnell wachsenden Städte in Asien und dem Nahen Osten. Songdo in Korea und Masdar sind prominente Beispiele. Nun soll auch in Europa auf dem Reißbrett eine weitere Stadt neu entstehen und durch smarte Technologien entwickelt und gesteuert werden. Im Norden Portugals wird mit Paredes eine Stadt aufgebaut, die später über 200.000 Einwohner haben soll. Diese Stadt soll ein Benchmark für die smarte Stadt sein. In ihr werden neue Gebäude intelligent mit dezentraler Energieerzeugung und -managementerreichtet, vernetzte Verkehrskonzepte mit Sensorsteuerung ausprobiert, neue Formen des Zusammenlebens in smarten Communities entwickelt. Paredes soll ein Entwicklungslabor für die Stadt von Morgen und für die Entwicklung von smarten Technologien werden.

Das Projekt kann ein gutes Beispiel für das Zusammenspiel von städtischer digitaler Infrastruktur, Software und neuen Dienstleistungen sein. Interessant ist es vor allem auch im Hinblick auf die beabsichtigte Einwohnerzahl, die die bisherige Kleinräumigkeit  von Smart City Ansätzen in Europa überwinden kann.

Weitere Infos: http://www.living-planit.com/default.htm

Oldenburg: Neue Verkehrssteuerung durch Sensoren

Sensortechnologie stellt eine wesentliche Grunde für eine smarte Stadt dar. Zusammen mit IBM und der Verkehrsleitzentrale der Stadt Oldenburg haben 12 Studenten eine Simulation erarbeitet, wie die Stadt Oldenburg durch Sensoren bessern gesteuert werden kann.

OLdenburg SensorprojektSensoren erfassen nehmen Live-Abbilder der jeweiligen Verkehrssituation, des aktuellen Energieverbrauchs und der Wetterlage und werten sie aus. Die Gesamtheit aller Daten wird an eine neue städtische Schaltzentrale geschickt, die damit das städtische Geschehen besser planen und steuern kann.

Mehr Infos auf der Webseite: http://www.pg-alise.de

 

 

Am Beispiel der Stadt Oldenburg simuliert die Präsentation, wie Sensoren Live-Abbilder der jeweiligen Verkehrssituation, der Wetterlage oder des aktuellen Energieverbrauchs erfassen und auswerten. Diese Informationen gelangen gebündelt an eine Schaltzentrale, wo sie der Planung des städtischen Lebens dienen. Projektpartner ist die Verkehrsleitzentrale der Stadt Oldenburg sowie das Smarter Cities Lab der IBM Research (Dublin/Irland). Die Wirtschaftsförderung der Stadt Oldenburg unterstützt das Projekt finaziell.