Ambitioniertes Vorhaben: Digitale Dörfer

Im neuen Smart City Talk Podcast sprach ich mit Staatssekretärin Heike Raab. Sie ist Bevollmächtigte beim Bund und in Europa, für Medien und Digitales des Landes Rheinland-Pfalz. Wir sprachen über die Konzepte der Landesregierung zur Digitalisierung von Staat und Gesellschaft, die Notwendigkeit für das schnelle Internet und über die Frage, wie wir die Offliner in die Online Welt integrieren können.

Einen großen Anteil nahm auch die Strategie zu Digitalen Dörfern in Rheinland-Pfalz ein.

Das ganze Interview gibt es hier:

In iTunes geht es über folgenden Weg: In der Menuleiste “Ablage” “”Podcast abonnieren” und dann http://smartcitytalk.libsyn.com/rss ein geben. (gilt für Safari)

 

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Erfolgsrezept Smarte Arbeitsplätze + Kinderbetreuung

Gibt es eine soziale Infrastruktur, die als eierlegende Wollmilchsau die Erfordernisse der CO2-Reduktion, die Bekämpfung des Facharbeitermangels und die soziale Integration von Alleinerziehenden in den Arbeitsmarkt unter einen Hut bringt?

Smart Work Center haben das Potenzial dazu. Erfunden wurden sie in den Niederlanden und traten dann ihren Siegeszug in anderen Ländern wie Korea oder Frankreich an. Diese Center wurden an den Stadträndern eingerichtet, die dennoch gut mit dem ÖPNV zu erreichen sind. Auf diese Weise ersparen sie Autoverkehr und tragen mithin zur CO2 Reduktion bei. Die Nutzerinnen und Nutzer dieser Smart Work Center finden hier die neueste technologische Infrastruktur wie Hochgeschwindigkeitsbreitband oder HD-Videokonferenzräume vor. Gerade Außendienstmitarbeiter, Freiberufler, Start up Gründer und Alleinerziehende können hier bequem temporäre Arbeitsplätze buchen.

Diese Smart Work Center tragen aber auch dazu bei, die Integration von Alleinerziehenden in den Arbeitsprozess zu erleichtern. Die meisten Smart Working Center bieten nämlich auch Kinderbetreuung und andere soziale Dienstleistungen an.

In Deutschland gibt es seit kurzem eine abgespeckte Version dieser Smart Work Center. Sie heißen hier in der Regel CO-Working-Spaces. Ca. 230 soll es hier in Deutschland geben. Und da wir hier Meister im Kopieren erfolgreicher Internetideen sind, ist auch ein Start Up gegründet worden, das von dieser niederländischen Idee profitiert. Coworking-Toddler heißt das junge Unternehmen, das Arbeitsplätze zum Anmieten mit Kinderbetreuung zur Verfügung stellt.

Für die kreative Klasse von Beratern, Designern, Werbemenschen etc. und für die größer werdende Gruppe von Freiberuflern sind hiermit wichtige Bedingungen für kreatives und kollaboratives Arbeiten geschaffen worden. Was fehlt? Schaut man sich in den Co-Working Spaces in Deutschland um, dann ist es meistens die technologische Innovationskomponente.

Außerdem vermisst man Transparenz. Wo sind die nächsten Co-Working-Spaces? Welche Ausstattung haben sie? Wie können sie gebucht werden? Alles Fragen, die in London auf einen Klick beantwortet werden können. Die Website CO-Working London lässt keine Transparenzwünsche offen.

Co-Working-Spaces – gekoppelt mit technologischer Spitzeninfrastruktur und Kinderbetreuung – werden eine wesentliche soziale Infrastruktur für die smarte Stadt oder die smarte Region sein. Dann kommen die Kreativen auch wieder aufs Land – nicht nur am Wochenende zum Erholen.

Sieben Gründe für Wirtschaftsförderungen, Smart Cities zu forcieren

 

Warum sollten städtische Wirtschaftsförderer ihren Bürgermeister darauf drängen, sich näher mit dem Konzept der smarten Stadt auseinander zusetzen?

Sieben Gründe sprechen dafür, aus Sicht der Wirtschaftsförderung zu einer Smart City zu werden:

1. Forcierung von High-Speed Internetanschlüssen

Die meisten im globalen Wettbewerb agierenden Unternehmen benötigen schnelle Internetverbindungen. Diese sind die Grundlagen einer smarten Stadt. Nur so können Unternehmen zum Beispiel hochbreitbandige Dienste wie Videokonferenzen in Anspruch nehmen oder digitale Konstruktionszeichnungen blitzschnell an Auftraggeber versenden, bevor ihnen die asiatische Konkurrenz zuvorkommt.

Allein die volkswirtschaftliche Bedeutung von schnellem Internet auf Glasfaserbasis spricht dafür, die Investitionen für diese Basisinfrastruktur trotz hoher Kosten vorzunehmen. So hat das brandenburgische Wirtschaftsministerium errechnen lassen, dass bis 2020 jährlich 0,5 des BIP zusätzlich erwirtschaftet werden oder 34000 neue Arbeitsplätze bis 2020 bei einem konsequenten Glasfaserausbau entstehen. Nach einer Studie der IHK Ulm stellt schnelles Internet inzwischen den wichtigsten Standortfaktor dar.

Die Notwendigkeit einer superschnellen Breitbandverbindung hat inzwischen auch die Politik erkannt, wenngleich sie das Ausbauziel mit der Digitalen Agenda 2013-2017 noch recht gemächlich angeht. Es hat sich herumgesprochen, dass superschnelles Breitband die soziale Infrastruktur des 21. Jahrhunderts ist. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat kürzlich eingeräumt, das Bandbreiten von 50 oder 70 Mbit/s bald nicht mehr ausreichen werden.

2.  Intelligente Infrastrukturen

Die städtische und regionale Infrastruktur ist in die Jahre gekommen. Wie vielfach beklagt wird, ist zu wenig in die Substanzerhaltung geflossen. So ist ein gewaltiger Investitionsstau entstanden. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung schätzt den jährlichen Investitionsbedarf allein für die Sanierung der Verkehrsinfrastruktur auf ca. 10 Mrd. €. Hinzukommen Investitionen für Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie Energie- und Breitbandnetze.

Infrastrukturelemente wie Straßen, Radwege, Ampeln, ÖPNV-Strecken, städtische Beleuchtung oder die Gebäudeinfrastruktur sind bislang  „unintelligent“.  Sie sind untereinander nicht vernetzt und ihre Daten können für Echtzeitanalysen und Vorhersagen nicht ausgewertet werden. In einer smarten Stadt ist das anders. Hier erfolgt die Vernetzung von intelligenten Infrastrukturen und ihren Anwendungen über Plattformen mit Sensoren und anderen Messgeräten, die in Echtzeit  in einem Smart City Cockpit  eine zuverlässige Abbildung vom Zustand der Stadt wiedergeben.

Die intelligente Ertüchtigung der Infrastruktur ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite besteht aus dem erforderlichen Rückbau und Anpassungsbedarf, der sich aus dem demographischen Wandel besonders für den ländlichen Raum ergibt. Bei diesem Rückbau besteht ebenfalls die Chance, sie für die Herausforderungen des digitalen Zeitalters auszurüsten. Dies betrifft vor allem die Bildungs-, Verkehrs- und Gesundheitsinfrastruktur.

3. Gut ausgebildete Fachkräfte

In einer smarten Stadt wird der Bildungsbereich weitestgehend digitalisiert.  Dies betrifft sowohl die digitalen Lerninhalte über digitale Bildungsplattformen wie auch die digitale Infrastruktur der Schulen oder der Bibliotheken.

Darüber hinaus lernen Schüler und Studierende in einer smarten Stadt vor allem, wie sie mit anderen durch moderne Informations- und Kommunikationstechnologien kollaborieren können. Dies wird eine Schlüsselqualifikation für die Arbeitskräfte der Zukunft sein, wenn immer mehr Fabriken an verschiedenen Orten und Beschäftigte an welchem Ort auch immer und zu welcher Zeit untereinander zusammenarbeiten müssen.

4. Neue Geschäftsmodelle und digitale Produktionsmöglichkeiten

Daten sind das neue Öl der Digitalisierung. Wer sie besitzt, kann daraus neue Geschäftsmodelle entwickeln. Deshalb ist es wichtig, dass die öffentliche Hand ihre Schränke öffnet. Die Wirtschaftsförderung sollte alle Open Data Anstrengungen unterstützen. Die in der Stadt vorhandenen Daten müssen maschinenlesbar aufbereitet und zur Verfügung gestellt werden.

Langsam erobern auch die 3D-Druckmöglichkeiten die Städte. Sie bringen bereits abgewanderte Produktion wieder zurück in die Stadt oder in die Region. Immer mehr Produkte lassen sich durch 3-D Drucker passgenau und in kostengünstigen Einzelstücken herstellen.

5. Nachhaltige Umwelt und effiziente Energie

Selbst wenn die Ölpreise inzwischen im Sinkflug sind, steht Energieeffizienz weiterhin auf der Tagesordnung der Unternehmen. Etliche internationale Smart City Projekte sind gerade aus dem Drang, eine Energiewende hin zu dezentralen Verteilungs- und Erzeugungsstrukturen aus grünen Energiequellen zu fördern, entstanden. Der Kampf gegen die Klimaerwärmung und die Treibhausgase stellt für Unternehmen immer noch eine Herausforderung dar. Zusätzlich wird mit der neuen Elektromotor-Antriebsenergie gerade die Verkehrswende vorbereitet. In der Smart City Köln nehmen gerade Projekte aus dem Energie- und Umweltbereich einen hohen Stellenwert ein. Ein anderes Beispiel im Energiebereich ist die Innovation City Ruhr.

6. Effiziente Interaktion zwischen Verwaltung und Unternehmen  

Unternehmen brauchen für ihre Wertschöpfungsprozesse, für Firmenansiedlungen oder für die Einstellung von Mitarbeitern in der Regel die Interaktion mit der öffentlichen Verwaltung. Eine rechtssichere, schnelle und agile Verwaltung ist so zu einem wesentlichen Standortfaktor geworden. Eine smarte Stadt forciert online Verfahren, die medienbruchfrei, sicher und aus Sicht der Kunden für sämtliche Verfahrensschritte von der Antragstellung  bis zur Bezahlung online verfügbar sind.

In den Städten erproben Banken und Sparkassen neue Servicekonzepte . Sie setzen u.a. auf Video- und Chatkommunikation zwischen der Sparkasse und den Kunden. In der Sparkasse am Niederrhein ist sogar die Legitimation per Skype-Video möglich. Genau so können es auch Verwaltungen machen. Smart City Projekte wie in Nizza oder Hamburg zeigen, dass die Videokommunikation den Vor-Ort-Besuch überflüssig machen kann. Außerdem können darüber auch eher Spezialisten eingebunden werden.

7. Bürgerkonsens durch Transparenz lässt Vorhaben schneller verwirklichen

Beteiligung und Transparenz sind neue Gebote der Politik und der Verwaltung im digitalen Zeitalter. Sie sind für die Konzeption von smarten Städten und Regionen konstitutiv. Nach der jüngsten Studie der Bertelsmann-Stiftung sind 66 Prozent eher bereit, Ergebnisse zu akzeptieren, mit denen sie inhaltlich nicht einverstanden sind, wenn sie vorher gehört worden sind und die Möglichkeit zur Mitsprache hatten. Nach dieser Studie sind 79 % der Meinung, dass durch Bürgerbeteiligung neue Ideen in den Planungsprozess einfließen.

Literaturhinweis:

Details zu den einzelnen Handlungsfeldern mit vielen nationalen und internationalen Beispielen finden sich in meinem Buch „Die smarte Stadt. Den digitalen Wandel intelligent gestalten. Handlungsfelder, Herausforderungen, Strategien“.

Breitband: Jetzt bald Land in Sicht?

Letzte Woche war ich in Gütersloh. Auf dem Weg mit der Bahn von Berlin nach Gütersloh habe ich wieder einmal alle Phasen der Online/Offline Verfügbarkeit mitgemacht. Das ging von zeitweisem WLAN im Zug über die Mobilfunkgeschwindigkeiten LTE, 3G und Edge bis hin zu keinerlei Verfügbarkeit.

Ist jetzt bald Land in Sicht? Wird es jetzt doch noch etwas mit dem schnellen Internet in Deutschland? In letzter Zeit häuften sich die hoffnungsfroh stimmenden Ankündigungen.

  • Ab dem 15. Dezember will die Deutsche Bahn – jedenfalls in der 1. Klasse – einen kostenlosen WLAN Zugang anbieten.
  • Für das geplante EU-Aktionsprogramm hat die Bundesregierung eine Vielzahl von Breitbandprojekten vor allem für die Länder mit hohem ländlichen Anteil vorgeschlagen. Darunter befindet sich auch ein Glasfaserausbau in Gütersloh.
  • Und bei der geplanten Versteigerung der Funklizenzen soll der Erlös in den Ausbau des schnellen Internet vor allem in ländlichen Gebieten verwendet werden.

Es würde höchste Zeit. In der neuesten Studie der Internationalen Fernmeldeunion ITU wird Deutschland mal wieder bescheinigt, dass es sich in Bezug auf die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologie aus dem Kreis der ernstzunehmenden Industrieländer verabschiedet hat. 2013 erreichten wir Platz 17 – immer eine Verbesserung um einen Platz. Im letzten Jahr war es noch Platz 18. Spitzenreiter sind Dänemark, Korea, Schweden, Island und Großbritannien.

⅔ der Österreicher wollen in smarten Städten leben

Smarte Städte stoßen auch bei den Bürgerinnen und Bürgern auf Akzeptanz. Nach einer Befragung von Österreichs größter Immobilienplattform Immonet wollen 64 % der Österreicher künftig in smarten Städten leben. Dabei stehen bei ihnen besonders moderne Stadtplanungskonzepte, smarte Mobilitätslösungen, energieeffiziente und klimaschonende Gebäudetechnologien sowie erneuerbare Energien im Vordergrund. Und 72 % sehen schnelles Breitband als absolutes Muss einer modernen Infrastruktur an.Bild

Mahr Informationen dazu: http://www.immobilien.net/presse/zwei-drittel-der-oesterreicher-wollen-smart-cities/

Auch Mittelstädte wie Arnsberg können „smart“ sein

Der Arnsberger Bürgermeister, Hans-Josef Vogel, ist sicherlich einer der innovativsten Bürgermeister in Deutschland. Nicht umsonst hat er schon 2008 mit seiner Stadt nur knapp den Titel der „T-City“ im Telekom-Ty-City Wettbewerb verfehlt. Jetzt hat er in einem lesenswerten Interview mit der WAZ seine Vision einer „digitalen“ Stadt – er nennt sie nicht smart, aber dahinter verbirgt sich das gleiche Konzept – dargelegt. das Interview zeigt, dass auch Mittelstädte smart werden können, wenn sie auf Glasfaserausbau und Investitionen in digitale Bildung setzen.

http://waz.m.derwesten.de/dw/staedte/arnsberg/digitales-arnsberg-buergermeister-vogel-ueber-seine-zukunftsvisionen-id8725613.html?service=mobile